August 2011
Um einen Simulationsprozess für eine Variantengenerierung automatisieren zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
Innerhalb eines Simulationsworkflows werden alle beteiligten Simulationen abgebildet. Ein Workflow kann einerseits sequenziell ablaufende Simulationsprozesse beschreiben, beispielsweise zur Übertragung von Temperaturen aus einer CFD-Analyse als Randbedingungen für eine thermo-mechanische Analyse. Andererseits kann er parallele Prozesse beinhalten, wie dies bei der simultanen Berücksichtigung mehrerer Simulationsdisziplinen der Fall ist - beispielsweise Crash und NVH.
Zur effizienten Berechnung der einzelnen Simulationen kann ein Rechencluster genutzt werden. Die Berechnungen werden aus dem Workflow heraus direkt angesteuert. Somit können die verfügbaren Rechnerressourcen effizient genutzt und unabhängige Analysen gleichzeitig berechnet werden.

Ein elementarer Bestandteil eines automatisierten Prozessablaufs ist der Einbau variabler Größen in das Simulationsmodell. Erst wenn die Parametrisierung der Eingabedaten vollautomatisch funktioniert, können Varianten automatisiert durchgespielt werden.
Diese Parametrisierung kann auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden:

Die Nutzung parametrischer CAD-Modelle hat den großen Vorteil, dass Modifikationen direkt auf dem CAD-Modell durchgeführt werden und somit jede Variante auch als CAD-Modell existiert. Ein beispielhafter Optimierungsprozess soll im Folgenden in Verbindung mit OPTIMUS von NOESIS und NX von SIEMENS vorgestellt werden. Besonders ist hierbei die Nutzung der CAD-und CAE-Funktionalität von NX, was einen durchgängigen Prozess vom CAD Modell zum vollständigen Simulationsmodell erlaubt.
Innerhalb von NX steht ein durchgängiges, assoziatives Datenmodell zur Verfügung, das eine Modifikation geometrischer Größen und deren automatische Umsetzung im Simulationsmodell erlaubt. Die Datenstruktur ist folgendermaßen aufgebaut:
Die Modifikation der Struktur kann nun basierend auf dem Geometriemodell vorgenommen werden. Einzelne, definierte Parameter werden dabei verändert und automatisch im Geometriemodell aktualisiert, dies sind beispielsweise die Achslängen der einzelnen Querschnitte im Beispielmodell. Da Modifikationen für einen Optimierungsprozess ohne manuelle Interaktion ausgeführt werden müssen, werden die Parameteränderungen in einem externen File spezifiziert und in diesem von OPTIMUS über einen templatebasierten Parametrisierungsansatz modifiziert. Dieses sogenannte „Expressions File“ wird dann in NX gelesen und die aktuellen Parametereinstellungen werden vollautomatisch auf das Geometriemodell aufgebracht.
Über ein Update des assoziativen Simulationsmodells werden die Änderungen in der Geometrie auf die CAE-Geometrie übertragen und das damit verknüpfte FE-Netz aktualisiert. Die Randbedingungen und Belastungen sind geometriebasiert definiert und werden somit automatisch auf die neue Geometrie übertragen.

Netzmorphing ist eine Technologie, die eine Parametrisierung von existierenden FE-Netzen ermöglicht. Der Vorteil hierbei ist die Möglichkeit der Nutzung von bereits lauffähigen Simulationsmodellen, die schon sämtliche Lastfalldefinitionen enthalten. In vielen Fällen ist eine automatische Vernetzung nicht möglich, die Netze der Simulationsmodelle werden dann manuell im FE-Preprozessor aufgebaut. Dies ist bei komplexen Geometrien notwendig oder bei gewissen Anforderungen an die Vernetzungsqualität, wenn beispielsweise Hexaeder-Netze gefordert sind. In diesem Fall ist es nicht möglich, eine modifizierte Geometrie automatisch zu vernetzen.
Beim Netzmorphing werden FE-Netze nachträglich parametrisiert, indem ein Morphing-Gitter um die zu modifizierende FE-Geometrie aufgebaut wird. Für die Bauteilveränderung werden dann die Gitterpunkte des Morphing-Gitters verschoben und somit die Form der Morphingboxen verändert. Die Knoten des FE-Netzes werden dann aufgrund ihrer Position in der entsprechenden Morphingbox mit verschoben und somit kann die Bauteilform verändert werden, bei gleichbleibender Netztopologie. Randbedingungen und Lastfalldefinitionen bleiben von diesem Prozessunberührt.
Bei großen Änderungen der Geometrie kann es eventuell
notwendig sein, bestimmte Bereiche neu zu vernetzen. Diese Neuvernetzung kann
automatisch basierend auf Netzqualitätskriterien angestoßen werden. ISKO engineers
verwendet für die Morphing basierte Netzveränderung das System ANSA von
BETA-CAE.
